Neue Ordnung I/2019

Warum die syrischen Flüchtlinge kamen Seite 2
Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker

Knapp & klar Seite 3–5

Zitiert Seite 3–5

Linksliberales Schaulaufen beim Österreichischen Filmpreis Seite 6–7
Von Thorsten Seifter

Der Kampf um „kulturelle Hegemonie“ Seite 8–12
Identitären-Kopf Martin Sellner will den Linken das nationale Narrativ streitig machen
Das Gespräch führte Bernd Kallina

Südtirol: Freiheitskämpfer versus Terroristen Seite 12–14
Von Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Olt

Ziel strategische Autonomie? Seite 15–20

Rechtskatholizismus von der Französischen Revolution bis heute Seite 21–25
Von Univ.-Prof. Dr. Felix Dirsch

Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Hüter der Ursprünge Seite 26–27
Von Nils Wegner, M. A.

Juan Donoso Cortés Seite 27–30
Von Gerd-Klaus Kaltenbrunner

Vor 100 Jahren: Ungarns kurzlebige Räterepublik Seite 30–32
Das Terror-Regime des Béla Kun zwischen März und Juli 1919
Von MMag. Erich Körner-Lakatos

Kaiser Wilhelm II. Seite 33–37
Eine Kurzbiographie aus Anlaß seines Rücktritts als Kaiser im Jahre 1918
Von Dr. Albrecht Jebens

„Der letzte Ritter“ Seite 38–49
Vor 500 Jahren starb Kaiser Maximilian I.
Von Dr. Mario Kandil

Gedichte Seite 51

Libri legendi Seite 53–55

Warum die syrischen Flüchtlinge kamen

 
Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker

Leider bin ich erst jetzt auf ein Interview gestoßen, das der britische Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier ursprünglich dem Blog „Social Europe“ gegeben hat und das am 12. August 2018 in der „Neuen Zürcher Zeitung“ in gekürzter Form erschienen ist. Das Interview ist deshalb so wichtig, weil es exakt die Position der „Neuen Ordnung“ und vieler patriotischer Medien widerspiegelt, die der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel und der EU-Machthaber mit klaren, rationalen Argumenten widersprechen. Paul Collier arbeitet seit vielen Jahren für afrikanische Regierungen und ist Verfasser so zukunftsweisender Werke wie „Die unterste Milliarde. Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann“ oder „Gestrandet. Warum unsere Flüchtlingspolitik allen schadet – und was jetzt zu tun ist“.

Die folgenden Ausführungen geben das in der „NZZ“ erschienene Interview teils wörtlich, teils zusamengefaßt wieder:

Bereits 2011 flohen viele Syrer in die Nachbarländer, insbesondere nach Jordanien. Dort betrug das Pro-Kopf-Einkommen allerdings ein Vielfaches von dem in Syrien, weshalb die jordanische Regierung fürchtete, die Flüchtlinge würden die einheimische Bevölkerung beim Kampf um die Arbeitsplätze unterbieten. Daraufhin schlugen der britische Migrationsforscher Alexander Betts und der Ökonom Paul Collier vor, daß Europa in Jordanien Arbeitsplätze schaffen sollte, die sowohl den Flüchtlingen als auch den Jordaniern selbst zugute kämen. Als Muster konnte die Türkei gelten. Paul Collier: „Deutsche Unternehmen haben über die Jahre hunderttausende von Arbeitsplätzen in der Türkei geschaffen. Das hat keine Arbeitsplätze in Deutschland gekostet. Ganz im Gegenteil: es hat zur Steigerung der Produktivität in Deutschland geführt, weil die weniger qualifizierten, die weniger produktiven Arbeitsplätze in die Türkei verlagert wurden. Das ist Globalisierung in ihrer besten Form.“

Aber die Antwort des UNHCR war: „Wir sind keine Arbeitsvermittlung. Wir geben Flüchtlingen keine Arbeit. Wir versorgen sie mit kostenlosen Lebensmitteln und Zelten.“ Collier: „Das ist das Problem. Die Menschen wollen nicht zehn Jahre lang kostenlos ernährt und in Zelten untergebracht werden. Sie wollen arbeiten.“ Dennoch versuchten Collier und Betts Firmen zur Errichtung von Betrieben in Jordanien zu bewegen. Collier: „Wissen Sie, was das größte Hindernis war? […] Die Unternehmen befürchteten, dass europäische Nichtregierungsorganisationen sie beschuldigen würden, Ausbeuterbetriebe mit Flüchtlingen zu betreiben, wenn sie nach Jordanien gingen. Dieselben NGOs, die für sich beanspruchen, großartige Verteidiger von Flüchtlingen zu sein, waren das große Problem.“

Collier sieht in der politischen Klasse Europas die Hauptschuldigen der Migrationskrise, da die politischen Entscheidungsträger ihrem Auftrag langfristig zu denken, nicht nachkämen. Daher droht eine weitere Auswanderungswelle aus Afrika. Collier ist überzeugt, daß der einzige Weg darin besteht, in diesen Staaten für Wirtschaftswachstum zu sorgen: „In fragilen Staaten gibt es extrem wenige Betriebe, denn warum um alles in der Welt sollte ein anständiges Unternehmen dorthin gehen? Aber es besteht ein riesiges öffentliches Interesse daran, daß Betriebe dort tätig werden, weshalb öffentliche Gelder vergeben werden müssen, um sie dazu zu bewegen, in fragile Staaten zu gehen.“ Sonst verbreite sich das „gefährliche Narrativ“, daß Auswanderung die einzige Lösung sei. Collier betont, daß die armen Gesellschaften nicht aufholen können, „wenn ihre klügsten und besten Leute das Land verlassen“. Allein in London arbeiten mehr sudanesische Ärzte als im gesamten Sudan. Collier: „Es ist ein ethischer Skandal, dass Großbritannien sudanesische Ärzte für sein Gesundheitswesen rekrutiert, statt im eigenen Land Ärzte auszubilden.“ Collier berät seit Jahrzehnten afrikanische Regierungen, derzeit vor allem die sehr gute Regierung von Ghana, die allein 2017 das BIP um 9 % steigern konnte. Diese Entwicklung müßte von unseren Regierungen unterstützt werden, denn der wirtschaftliche Abstand zwischen Ghana und Europa und damit die starken Wanderungsanreize werden noch lange bestehen. Collier: „Manche hegen den Irrglauben, eine großartige, moralisch edle Tat zu vollbringen, wenn sie begabte junge Menschen mit den Worten ‚Willkommen in Europa‘ von ihren wahren Verpflichtungen und Möglichkeiten in Afrika weglocken, damit sie dann frustriert auf den Straßen Roms leben. […] Afrika muss Millionen von Arbeitsplätzen schaffen. Stattdessen verführen wir Afrikaner und Afrikanerinnen zu Tausenden dazu, in Boote zu steigen. Das ist überaus verantwortungslos und unethisch, denn wenn die Menschen aus Afrika erst nach Europa gekommen sind, erkennen sie die Wahrheit, stecken aber in der Falle, weil eine Rückkehr eine Bloßstellung vor ihren Freunden wäre. So feiern wir uns selbst als gute Menschen und sind im Grunde zutiefst unethisch. Was Afrika braucht, ist eine Stärkung der Produktion und nicht ein Anrecht auf Konsum. Afrika braucht unsere Almosen nicht, es braucht unsere Unternehmen.“

 
Neue Ordnung, ARES Verlag, A-8010 Graz, EMail: neue-ordnung@ares-verlag.com